Großer Vogthof
Das Fürstbistum Hildesheim war seit dem 12. Jahrhundert in Amtsbezirke gegliedert. Die Ortschaft Borsum gehörte zum Amtsbezirk Steuerwald, dessen Verwaltungssitz die namensgebende Burg Steuerwald nördlich von Hildesheim war.
Nach der Reformation um 1550 waren nahezu alle Dörfer des Fürstbistums evangelisch geworden. Lediglich die Dörfer, die dem Hildesheimer Domkapitel unterstanden, blieben katholisch. Diese lagen überwiegend im Amtsbezirk Steuerwald. Deshalb entstand innerhalb dieses Amtsbezirks ein zweiter Verwaltungsbereich – die Dompropstei.
Obwohl die Gerichtsbarkeit weiterhin beim Amt Steuerwald verblieb, entwickelten sich in der Dompropstei eigene Verwaltungsstrukturen. Da sie keinen festen Amtssitz besaß, setzte das Domkapitel Vögte ein, die von ihren Hofstellen aus Verwaltungsaufgaben wahrnahmen. Als Sitze solcher Vögte sind die Dörfer Achtum, Adlum, Machtsum und Borsum bekannt. Um 1740 waren diese Vogteien zur Großvogtei Borsum zusammengeführt worden.
Die ersten Vögte im Borsumer Gebiet trugen den Familiennamen Osterwald. Das Amt wurde häufig innerhalb der Familie weitergegeben, oftmals vom Vater auf den Sohn. Auch Eheschließungen mit Töchtern von Vögten sind in den Kirchenbüchern belegt.
Nachdem der Borsumer Vogt Heinrich Osterwald am 28. Oktober 1667 nach kurzer Amtszeit verstorben war, wurde Christoph Blumenberg aus Himmelsthür zu seinem Nachfolger ernannt. Damit erscheint der Name Blumenberg erstmals in Verbindung mit dem Amt des Borsumer Vogtes.
Im Jahr 1716 wurde Jacob Blumenberg Vogt von Borsum. Durch die Heirat mit Anna Blumenberg, geborene Machtsum, gelangte er in den Besitz zweier Höfe in Borsum, die seine Frau mit in die Ehe brachte: eines kleineren Hofes an der heutigen Adresse Am Hohen Turm 7 sowie eines größeren Hofes an der heutigen Adresse Am Hohen Turm 13.
Im Jahr 1768 befand sich dieser Meyer- und Halbspännerhof im Besitz des dompropsteilichen Vogtes Christoph Blumenberg. Die Hofzufahrt lag damals noch an der heutigen Lindenstraße. Bewirtschaftet wurden insgesamt 100¾ Morgen Meyer-, Kirchen- und Erbland.
Das große Barockkreuz am nördlichen Ende der Lindenstraße wurde im Jahr 1757 von Christoph Blumenberg und seiner Ehefrau Elisabeth, geborene Ernst, in der Nähe der damaligen Hofzufahrt errichtet.
Mit der Besetzung des Gebietes durch napoleonische Truppen im Jahr 1806 begann eine neue Verwaltungsordnung. Napoleon richtete das Königreich Westphalen für seinen Bruder Jérôme Bonaparte ein. Aus dem Vogt Franz Blumenberg wurde nun der Maire der Commune Borsum sowie des Kantons Borsum, zu dem auch Harsum und Algermissen gehörten.
Danach begann für die Hofstelle eine wechselvolle Zeit.
Eine Einwohnerliste aus dem Jahr 1812 nennt Franz Blumenberg mit seiner elfköpfigen Familie als Bewohner des Hofes. Nach seinem Tod im Jahr 1836 wurde der Betrieb zunächst durch den Verwalter und Ökonomen Johann Friedrich Lorenzing weitergeführt.
Um 1845 wurde der Hof an den Nachbarn Diederich Heineke verkauft. Dieser war von 1850 bis 1852 Bauermeister in Borsum und um 1859 Gemeindevorsteher.
Im Jahr 1907 übernahm Heinrich Heineke die große Hofstelle. Um 1911 errichtete er am Weg zum Bruchgraben nördlich von Borsum eine große Feldscheune, die erst vor wenigen Jahren abgebrochen wurde.
Ein Großfeuer zerstörte im Jahr 1919 sämtliche Gebäude des Hofes. Bereits ein Jahr später, 1920, war die Hofanlage wieder aufgebaut. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde die Hofeinfahrt von der Lindenstraße an ihren heutigen Standort in der Straße Am Hohen Turm verlegt.

