Heinrich-Ruhen-Platz
Die Straße „Am Bäckerbrink“ führt ringförmig um den großen Platz, der im Jahr 1968 den Namen „Heinrich‑Ruhen‑Platz“ erhielt.
Namensgeber ist der Jesuitenpater Heinrich Ruhen, der 1718 in einem Haus westlich des heutigen Platzes geboren wurde. Er wirkte später als Missionar in Mexiko und kam im November 1751 in Sonoyta bei einem Überfall ums Leben. Dort wird er bis heute als Märtyrer verehrt. Im Dezember 1998 wurde an der Stelle seines Geburtshauses ein Denkmal enthüllt und feierlich geweiht.
Auf dem Gelände des heutigen Platzes befand sich bis in die 1960er Jahre der sogenannte Gänseteich. Er war der höchstgelegene öffentliche Dorfteich und sammelte das Oberflächenwasser aus dem gesamten Bereich zwischen der heutigen Südringstraße und der Hönnersumer Straße. Über ein Grabensystem wurde das Wasser in die tiefergelegenen Dorfteiche, insbesondere in den Brennegraben am westlichen Dorfrand, abgeleitet.
Der Straßenname „Am Bäckerbrink“ erinnert an die ehemalige Dorfbäckerei, die von 1805 bis 1908 südlich des Spritzenhauses betrieben wurde.
Zentrale Bedeutung für das Dorfleben
Das freie Gelände zwischen dem früheren Teich und der heutigen Langen Straße hatte schon früh eine zentrale Funktion im Dorfleben. Da hier mehrere dörfliche Amtspersonen wohnten, wurde dieser Bereich zeitweise auch als „Bürgermeisterplatz“ bezeichnet.
Bei Festen und besonderen Anlässen diente der Platz als Aufmarsch‑, Versammlungs- und Präsentationsfläche. Im Jahr 1933 erhielt dieser Bereich im Zuge der damaligen politischen Verhältnisse den Namen „Adolf‑Hitler‑Platz“. Ebenfalls in diesem Jahr wurde südlich des Gänseteiches eine Eiche gepflanzt, die dem damaligen Reichskanzler gewidmet war.
An der östlichen Seite des heutigen Heinrich‑Ruhen‑Platzes befanden sich mehrere sogenannte Meyerhöfe. Die Höfe Hagemann und Aue sind noch heute erhalten. Im südlichen Bereich lagen zwei weitere Meyerhöfe, die jedoch bereits 1768 als „wüst“, also unbebaut, bezeichnet wurden.
Das Spielhaus
An der Nordwestseite des Platzes stand bis 1857 das sogenannte Spielhaus. Dabei handelte es sich um ein stattliches Gebäude mit zwei Stockwerken, drei Mietwohnungen sowie einer Gaststätte mit Saal. Hier fanden die großen Versammlungen des Kirchspiels statt, woraus sich auch der volkstümliche Name ableitete. Darüber hinaus wurden dort Gericht gehalten und Verträge abgeschlossen.
Nach dem Abriss des Spielhauses im Jahr 1857 errichtete man entlang der damaligen Straßenführung (im Bereich des heutigen Spielplatzes) ein Armenhaus mit fünf Wohnungen. Dieses Gebäude wurde von der Bevölkerung weiterhin „Spielhaus“ genannt. Das stark baufällige Fachwerkhaus wurde schließlich in den 1960er Jahren abgerissen.
